News
Veranstaltungen
Webcam
SmartHome ausprobieren

In der Presse
Downloads

Login für Mitglieder

Das SmartHome in der Presse

27. Oktober 2010
TSB Gruppe
Kraftakt: Energieeffiziente Stadt Perspektiven nachhaltiger Energieversorgung

Wie sieht die Energieversorgung in Zukunft aus? Woraus werden wir Strom und Wärme gewinnen? Und mit welchen Fahrzeugen werden wir unterwegs sein? Um diese Fragen geht es in der vierteiligen Veranstaltungsreihe "Kraftakt". Wissenschaftler und Experten diskutieren dabei über Probleme und Lösungen der künftigen Energieversorgung und auch darüber, welche technischen Neuerungen einen wirklichen Nutzen bringen und welche lediglich akademische Spielerei sind. Im ersten Teil der Reihe ging es dabei in der Berliner Urania um das "Kraftpaket" - um intelligente Technik im "Smart Home".


http://www.tsb-berlin.de

Das intelligente Haus - es kann bereits vieles. Es regelt zum Beispiel die Heizung, wenn niemand zu Hause ist, macht das Licht aus, wenn keiner im Raum ist, oder schaltet die Lampen ein, wenn jemand herein kommt. Es kontrolliert, ob alle Fenster und Türen verschlossen sind, wenn man geht oder schickt eine Nachricht, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen. Über einen zentralen Bildschirm kann angezeigt werden, wie lange die Waschmaschine im Keller noch läuft, ohne dass man dazu selbst in den Keller gehen muss. Zudem weiß die Technik, wann Strom günstig ist und setzt dann automatisch Waschmaschine und Trockner in Gang. Ältere oder kranke Hausbewohner kann das System daran erinnern, Blutdruck, Puls oder Gewicht zu messen. Es speichert die Daten automatisch, warnt bei Abweichungen und sendet die Daten regelmäßig an den Arzt. 

Zukunftsvision ist praxistauglich

Für viele mag das noch nicht nach Realität klingen, sondern eher wie eine Zukunftsvision. Aber das intelligente Haus gibt es bereits. In Paderborn steht ein Musterhaus, in dem man sich anschauen kann, was die Technik kann und wie sie funktioniert und einige wohnen bereits in einem Haus mit "Smart Home Technology". Sahin Albayrak zum Beispiel. Der Informatiker ist Gründer und Wissenschaftlicher Leiter des DAI-Labors, des Distributed Artificial Intelligente Laboratory an der Technischen Universität Berlin. Albayrak und seine 120 Mitarbeiter erforschen und entwickeln neue intelligente Technologien - "Smart Services und Smart Systems" und testen, wie praxistauglich sie sind. 

Als Albayrak sein Haus baute, ließ er "Smart Home Technology" installieren - individuell für ihn angepasst, so wie die Technik ihm und seiner Familie nutzt. "Ein Beispiel: Ich kann meine Haustür von außen natürlich mit dem Schlüssel öffnen, aber falls ich ihn mal verliere, kann ich sie auch mit meinem iPhone öffnen", erklärt Albayrak. 

Musterwohnung für Praxistests

Um die neuen Technologien zu testen, hat das DAI-Labor eine Musterwohnung eingerichtet. In der 15. Etage des Telefunkenhochhauses am Ernst-Reuter-Platz ist eine 4-Raum-Wohnung aufgebaut, mit Wohnzimmer, Küche, Arbeitszimmer und einem Gesundheitszimmer. Viel Technik steckt in den Räumen, das Wichtigste aber: Die Geräte sind miteinander vernetzt und können miteinander kommunizieren. So kennt das Assistenzsystem nicht nur die Zutaten für ein Kochrezept und kann beim Einkaufszettel helfen, sondern es weiß auch, wie lange die Garzeiten für das Gericht sind und kann so den Herd sekundengenau steuern. Bedient wird das System dabei über Sprachkommandos und multimedial über einen Bildschirm.          

Individuell soll die schöne neue Technik sein, ein ganz persönlicher Assistent. "Das System ist vergleichbar mit einem iPhone. Darauf haben sie eine Software, aber sie können entscheiden, welche Lösungen sie haben wollen, welche Apps sie runterladen und mit einbinden", sagt Albayrak.

Problem: Smart Service in bestehende Häuser zu integrieren

Aber gerade die Einbindung ist eine Herausforderung, denn der Großteil der Häuser wird nicht neu gebaut, sondern steht bereits. "Das Problem dabei ist, die dort vorhandene Technik zu vernetzen, denn die Geräte sind größtenteils heterogen, sie haben unterschiedliche Schnittstellen so dass eine Interoperabilität fehlt. Zudem ist ein bestimmter Service meist auch an ein bestimmtes Gerät gebunden. Das heißt, er kann nicht übertragen werden, so dass ein Mehrwert durch eine geräteübergreifende Nutzung nicht möglich ist", so Albayrak.

Aber auch dafür hat Albayrak eine Lösung. "Eine kleine Box soll die Vernetzung möglich machen und zwischen inkompatiblen Systemen vermitteln", erklärt der Informatiker. Sie ist mittels einer Home Service Platform an das Heimnetzwerk angeschlossen und bekommt zudem Informationen durch eine Service Provider Platform. "So kann mir die Box individuell Lösungen empfehlen und sie lädt sie auch gleich runter und konfiguriert sie für mein Heimnetzwerk", sagt Albayrak.

Mit smarter Technik Strom sparen

Die neue Technik kann vielfach nutzen, auch beim Geldsparen. "Mit dem Smart Home Energy Assistent lässt sich zum Beispiel der Energieverbrauch messen und anzeigen. Und diese Transparenz ist wichtig, denn Studien belegen, allein dadurch, dass der Verbraucher auf seinen Stromverbrauch aufmerksam gemacht wird, kann er ihn um zehn Prozent reduzieren", erklärt Albayrak. Der Anreiz dahinter: unnütze Stromfresser zu finden. So kann das Licht, in Räumen, in denen man sich nicht aufhält, gelöscht werden oder Geräte, die im Standby-Modus laufen, komplett ausgeschaltet werden. 

Und nicht nur das. "Der Verbraucher kann Regeln für den Energieverbrauch definieren und das System kann auch neue Regeln vorschlagen. So können Lastspitzen zum Beispiel gezielt vermieden werden, der Energieverbrauch optimiert und die Kosten reduziert werden", sagt Albayrak.

Pilotprojekt im Märkischen Viertel

 

Seit Juli läuft dazu ein Pilotprojekt im Märkischen Viertel. 15.000 Wohnungen des Wohnungsbauunternehmens Gesobau werden dort derzeit modernisiert, mehr als eine halbe Milliarde Euro fließen in neue Küchen, Bäder und insbesondere auch in die energetische Sanierung. Für das Pilotprojekt hat Gesobau gemeinsam mit dem Energieversorger Vattenfall 10.000 Wohnungen mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet, einem so genannten "Smart Meter", erklärt der Gesobau-Geschäftsbereichsleiter für das Märkische Viertel, Ulf Lennermann. Rund 1.000 Mieter können darüber hinaus nahezu in Echtzeit die Verbräuche über das Internet, über das normale Fernsehgerät oder ihr smartphone verfolgen. "Jeder will natürlich Kosten sparen, weil alles teurer wird. Und per Smart Meter kann man auch sehen, ob man mehr oder weniger verbraucht hat, als am Tag zuvor. Wichtig ist, dass der Mieter einen Nutzen durch die Technik hat,“ sagt Lennermann. 

Denn das System bietet auch global eine Chance, sagt Hauke Beeck von Vattenfall. "Wenn jeder zehn Prozent Strom sparen kann, dann mag das für jeden aufs Jahr gerechnet nur eine kleine Zahl sein. Aber wenn man zehn Millionen Menschen hat, die 10 Prozent Strom einsparen können, dann sind das tausende Megawatt." Eine enorme Einsparung. 

Sicherheit und Datenschutz

Wichtig ist aber auch die Sicherheit des Systems, zum Beispiel, dass das Smart Home einwandfrei funktioniert. "Als vor zehn Jahren die ersten Autos mit Elektronik ausgestattet wurden, gab es auch Kinderkrankheiten. Und niemand konnte sich vorstellen, dass die Technik mal Standard wird. Heute redet kaum noch jemand davon", sagt Lennermann. Zum Thema Sicherheit gehört aber auch der Datenschutz. "Es muss einfach sichergestellt sein, dass die Informationen und Daten nicht von anderen ausgespäht werden können, dazu sind die Unternehmen sowieso verpflichtet", sagt Sahin Albayrak. Und auch das soll die kleine Box können. 

Potential hat das Smart Home. Reichlich. "Zehn Prozent Stromeinsparung sind ein Anfang, aber das reicht uns nicht. Es geht um 30 Prozent", so Albayrak. "Und der Nutzen steigt, wenn sich dezentrale Energiequellen mit einbinden lassen, Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach zum Beispiel oder kleine Blockheizkraftwerke." Aber um die neue Technik zu nutzen, muss sie erstmal bekannt sein. "Und man muss sie sich selber angeschaut haben. Mein Nachbar war am Anfang sehr skeptisch. Dann hat er mein Haus besichtigt und gesagt, wenn er noch einmal bauen würde, dann nur so, mit Smart Home Technology", sagt Albayrak.

Vortrag:

Diskussion


Moderation


Die Reihe "Kraftakt" ist eine Veranstaltung der TSB Technologiestiftung Berlin in Kooperation mit dem Innovationszentrum Energie der Technischen Universität Berlin.

Links:
 
Smart Home


Smart Meter

Autor/Quelle | Kristin Krüger


‹‹‹ Zurück ...